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Naturarznei Heilerde
Miriam Wiegele über Heilerde

Heilerde, ein uraltes Naturarzneimittel
Miriam Wiegele  - www.miriamwiegele.at 

Seit Menschengedenken ist Erde zu heilenden Zwecken verwendet worden. Berühmte Ärzte von Hippokrates über Hildegard von Bingen bis Paracelsus empfahlen sie. Im Mittelalter war sie als Bestandteil der "Dreckapotheke" genauso beliebt wie zum Beispiel die Verwendung von Urin. Dann geriet sie in Vergessenheit, bis zwei Geistliche sie wiederentdeckten: der protestantische Pastor Felke heilte die Leute mit Licht, Luft, Wasser und Erde, der katholische Pfarrer Kneipp sagte, eines der besten Heilmittel ist der Lehm und setzte ihn als Umschlag bei Venenentzündungen, Gelenkserkrankungen und Geschwüren ein.
 
Heilerde zur inneren und äußeren Reinigung

Der Einsatz von Heilerde ist besonders nach den Faschingstagen sehr sinnvoll. Mit Gesichtsmasken kann man die strapazierte Haut reinigen und regenerieren. Innerlich angewendet, hilft Heilerde den gesamten Verdauungstrakt zu reinigen, was in der Fastenzeit nur nützlich sein kann.

Heilerde ist ein so einfach anzuwendendes Heilmittel, dass sich zur Selbstanwendung besonders gut eignet. Heilerde ist in Apotheken und Drogerien unter verschiedenen Bezeichnungen erhältlich. Andere Begriffe, unter denen Heilerde, meist als "Nahrungsergänzungsmittel" in den Handel kommt, sind: Tonerde, Grüne Mineralerde, Grüner Lehm von Argiletz (Frankreich), von dort gibt es auch Gelben, Rosa und Roten Lehm (Farbe ist abhängig von den Mineralstoffen, so enthält der rote Lehm viel Eisen). Als weiße Heilerde wird meist Bolus albus (unter diesem Namen in der Apotheke erhältlich, eigentlich Kaolin) bezeichnet. Diese besitzt aber kein Wasserbindungsvermögen und würde bei innerer Einnahme zu Klümpchenbildung im Darm führen. Also Achtung beim Kauf! Außerdem gibt es Heilerde in den verschiedensten Feinheitsgraden, es ist sinnvoll, sich ausführlich beim Kauf beraten zu lassen.
 
Was ist Heilerde

Unter Heilerde versteht man üblicherweise Löss. Dieser entstand zumeist während der letzten Eiszeit, als die Erde zu großen Teilen von einer dicken Eisschicht bedeckt war. Die tonnenschwere Last zermalmte Felsen und Steine zu feinem Gestein. Wind und Wasser zerkleinerten die Gesteinspartikel schließlich auf Staubkorngröße.

Die genaue Zusammensetzung der Heilerde variiert nach Abbaugebiet. Heilerde besteht, je nach Herkunft, aus 45% Quarz, Feldspat, Kalkspat, Dolomit, Glimmer und Montmorillonit. Sie enthält Mineralstoffe wie Silizium, Eisen, Kalzium, Magnesium Kalium, Aluminium und Natrium und dazu einige besondere Spurenelemente wie Chrom, Kupfer, Zirkonium, Strontium und Vanadium. Heilerde kann innerlich und äußerlich verwendet werden.
 
Wie wirkt Heilerde

Heilerde hat ein hohes Absorptionsvermögen, das heißt, sie kann eine Vielzahl von Verbindungen wie Gase, Flüssigkeiten oder auch Giftstoffe binden. Heilerde kann innerlich und äußerlich angewendet werden.

Innerlich angewendet wirkt die Heilerde absorbierend, antibakteriell, basisch, mineralstoffzuführend, ballaststoffreich und durch ihren hohen Ballaststoffgehalt massierend auf den Darm.
 
• Heilerde bindet Bakterien und deren giftige Stoffwechselprodukte, wobei aber die natürliche Darmbakterienflora erhalten bleibt. Sie absorbiert schädliche Darmgase. Eine Anwendung empfiehlt sich daher bei Magen-Darm-Entzündungen, sowohl akut infektiöser, als auch chronischer Art, bei Blähungen und bei Durchfällen.
 
• Heilerde sorgt im Magen für den Ausgleich des Säure/Basenverhältnisses. Sie wirkt jedoch immer nur bis zum physiologischen Gleichgewicht und bindet nur überschüssige Säuren. Es kommt also nicht zur absoluten Neutralisation wie bei Antacida (Mittel gegen Magenübersäuerung), die zwar vorübergehend helfen, aber letztlich eher die Magensäureproduktion anregen.
 
• Heilerde bindet im Darm, wie Untersuchungen zeigen konnten, nicht nur überschüssige Gallensäuren, sondern auch das "schädliche" Cholesterin LDL.

• Durch die große Fülle an Mineralstoffen und Spurenelementen, vor allem den hohen Kieselsäuregehalt, hilft die Heilerde beim Aufbau des Gewebes und des Bindegewebes

• Heilerde hat kleinste Partikel, die eine Mikromassage in Magen und Darm bewirken, ohne zu reizen. Dadurch verstärken sie auch die Sekretion von Verdauungssäften. Heilerde, mit viel Wasser getrunken, hat Ballaststoffwirkung. Die aufgeschwemmte Erde vergrößert den Darminhalt und verstärkt die Ausleitung. Aber Achtung: Sollte nach Einnahme von Heilerde Verstopfung auftreten, ist die Wassermenge bei der Zubereitung zu erhöhen. Aufhören mit der Heilerdeanwendung, wenn sich trotz der höheren Wassermenge die Verstopfung nicht löst!

• Bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten soll die Einnahme zeitlich getrennt werden, Heilerde könnte bestimmte Stoffe in Medikamenten binden.
 
Innere Anwendung:

Zubereitung:

Konzentriertes Heilerdewasser: 2 Teelöffel mit ¼ l lauwarmen Wasser gut verrühren. Gilt als Tagesdosis, die auf 2 bis 3 mal verteilt werden soll. Vor dem Trinken immer aufquirlen.

Mildes Heilerdewasser: wie oben, vor dem Trinken aber nicht aufquirlen. Dadurch bleibt ein Erdsatz am Boden, das Wasser enthält vor allem die wasserlöslichen Mineralstoffe.
 
• Heilerdewasser langsam schluckweise trinken. Einnahme morgens auf nüchternen Magen, mittags eine Stunde vor dem Essen und abends vor dem Schlafengehen.
 
• Bei Halsentzündungen, Angina, Mundgeruch mit konzentriertem Heilerdewasser gurgeln.

• Auch bei akuten Vergiftungen hilft die Heilerde: Als erste Notmaßnahme umgehend konzentriertes Heilerdewasser trinken.  Achtung, immer gleich Arzt verständigen oder die Vergiftungszentrale anrufen (01/406 43 43).

• Für Tropenreisende empfiehlt sich die Mitnahme von Heilerde. Bei Durchfällen sofort in erhöhter Dosis anwenden (drei mal täglich 1 Teelöffel Heilerde auf 1 Glas abgekochtes Wasser).
 
Äußerlich angewendet wirkt Heilerde absorbierend, antiseptisch, antibakteriell, austrocknend, desodorierend, geweberegenerierend, kühlend, schmerzlindernd, abschwellend, entsäuernd, juckreizstillend, beruhigend. Die äußerliche Anwendung empfiehlt sich daher bei Abszessen, Akne, Allergie, Gelenkserkrankungen, Rheuma, Gicht, Hexenschuss, Sportverletzungen, Sehnenscheidenentzündung, Schleimbeutelentzündung, Ekzemen, Hauterkrankungen, eiternden Wunden, Nagelbetterkrankungen und auch bei Migräne (mit Zusatz von ätherischem Öl wie Minze).
 
Zubereitung:

Der Heilerde soviel Wasser beifügen, bis ein dicker Brei entsteht.

Kalter Heilerde-Umschlag:
Der Heilerdebrei wird kalt entweder direkt auf die betroffenen Stellen aufgetragen oder vorher auf ein Tuch gestrichen und dann aufgelegt (ca. ½ cm dick). Durch das feste Einpacken wärmt sich der Brei schnell durch die Körpertemperatur. Es entsteht im Prinzip ein ähnlicher Effekt wie bei einer Kaltwasseranwendung: - durch die Kälte werden die oberflächlichen Hautgefäße zusammengezogen, es muss von tieferen Schichten Blut herangeführt werden und das bewirkt eine verstärkte Durchblutung. Das lindert Schmerzen und wirkt entzündungshemmend.

Heißer Heilerde-Umschlag:
Wie oben, der Heilerdebrei wird vor der Anwendung im Wasserbad erhitzt und so warm wie möglich aufgetragen. Durch die heiße Erdpasta wird dem Körper feuchte Wärme zugeführt. Anwendung überall da, wo Verhärtungen, Verspannungen auftreten, bei chronischen Entzündungen und bei krampfartigen Schmerzen.

Heilerde-Auflage:
Entweder verwendet man dafür konzentriertes Heilerdewasser oder macht einen sehr dünnflüssigen Brei. Dieser wird dann auf den betroffenen Bereich aufgepinselt. Bei diesem Verfahren dringen die Heilerdepartikel besser in die Haut ein, ziehen Sekrete und Stoffwechselgifte heraus und binden Säuren (jede Entzündung äußert sich durch Übersäuerung des kranken Gewebes). Dieses Verfahren ist die einzige Heilerdeanwendung, bei der die Heilerde auf der Haut vollständig austrocknen soll. Dadurch kommt es zu einer Flüssigkeitsbewegung von innen nach außen, eitrige Wunden werden gereinigt, Schwellungen klingen ab. Als Folge der Sogwirkung kommt es auch zu einer besseren Durchblutung.

Heilerdebad:
Man stellt aus ca. 1 kg Heilerde pro Wanne einen sehr dünnen Brei her und gibt ihn in das Wasser. Dauer des Bades am Anfang fünf bis zehn Minuten, später bis zu zwanzig Minuten, zwei- bis dreimal die Woche zur Abwehrstärkung, bei vegetativen Störungen, Stoffwechselleiden, Wirbelsäulenerkrankungen.

Einpudern mit Heilerde:
Im Gegensatz zu herkömmlichen desinfizierenden Wundpudern hat die Heilerde auch eine wundheilende Wirkung. Sie wirkt blutstillend bei frischen Wunden und granulationsfördernd bei eitrigen Verletzungen.
 
Weitere Vorschläge für die Verwendung von Heilerde

• Zahnpasta: Abgekochtes Wasser mit etwas Salz (ist gut gegen Parodontose) und ca. 100 g Heilerde (ultrafein) vermengen, bis eine cremeartige Masse entsteht, eventuell 5 Tropfen ätherisches Öl hinzufügen (z. B. Minze oder Salbei).
 
• Körperpuder, Fußpuder: Die Heilerde allein kann als solches verwendet werden, aber auch hier empfiehlt sich ein Zusatz von ätherischen Ölen, 5 Tropfen auf 100 g: Salbei gegen Fußschweiß, Lemongras oder Zitrone wenn man viel stehen muss. Für Körperpuder wählt man seinen Lieblingsduft, von Rosenöl bis Patschuli. Für Körperpuder gegen Achselschweiß nimmt man auch wieder Salbei.
 
• Gesichtsmaske: Cremeartige Heilerdepasta zubereiten. Heilerde allein wirkt schon gut, da sie tief in die oberen Hautschichten eindringt, die Hornhaut erweicht und dadurch die Haut von abgestorbenen Hautpartikeln befreit wird. Dazu kommt noch die aufbauende Wirkung durch die Mineralstoffe, vor allem die gewebsstärkende Kieselsäure. Auch hier kann die Wirkung durch Zusätze intensiviert werden. Man kann beispielsweise den Heilerdebrei mit einem passenden Tee anmachen oder  ätherische Öle zusetzen (Lavendel wirkt beruhigend, Minze oder Zitrone hilft bei fetter Haut, Geranium oder Ylang-Ylang bei trockener Haut). Bei trockener Haut empfiehlt sich noch eine Zugabe von einem Esslöffel kaltgepresstem Pflanzenöl  z.B. Avocadoöl)  zum Heilerdebrei.

 
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